
Je größer Deine Verantwortung und je größer das Unternehmen, desto schwieriger wird es, ungefilterte Perspektiven zu erhalten.
In meiner gesamten Laufbahn habe ich viele Teams erlebt, die Stunden und mindestens drei Korrekturläufe in Berichte und Präsentationen für die Geschäftsleitung investieren. Zahlen werden eingeordnet, Botschaften geschärft und natürlich geht es auch darum, die Arbeit und die Position des eigenen Teams sichtbar zu machen.
Ich habe es genauso gemacht. Und dieses Prozedere wiederholte sich mindestens einmal im Quartal.
Das passiert nicht, weil Dein Team nicht ehrlich sein will. Sondern weil Menschen abwägen.
Wie deutlich kann ich meine Einschätzung formulieren? Wie viel Widerspruch ist möglich? Wie wird meine Perspektive aufgenommen? Was passiert, wenn ich eine andere Haltung vertrete?
Je größer Organisationen werden, desto mehr solcher Dynamiken entstehen. Nicht zwingend aus Kalkül, sondern weil unterschiedliche Verantwortlichkeiten, Interessen und Perspektiven aufeinandertreffen.
Je größer Deine Verantwortung ist, desto wichtiger wird deshalb das Big Picture – und desto schwieriger ist es, dieses allein aus dem eigenen System heraus vollständig zu erfassen.
Zahlen, Reports und interne Einschätzungen zeigen Dir wichtige Ausschnitte. Was zusätzlich helfen kann, sind andere Perspektiven, Erfahrungen und Vergleichspunkte, die das vorhandene Bild einordnen, hinterfragen und erweitern.
So entsteht ein belastbareres Gesamtbild, ohne dass vorhandenes Wissen relativiert wird. Vielmehr helfen zusätzliche Sichtweisen, Muster früher zu erkennen, blinde Flecken sichtbar zu machen und Entscheidungen über das nächste Quartal hinaus besser abzusichern.
Für mein eigenes „Big Picture“ suche ich deshalb bewusst den Austausch mit Menschen aus anderen Branchen und Positionen und mit vielschichtigen Karrieren. Sie bringen andere Erfahrungen, Fakten und Blickwinkel mit.
„Wir haben es so gelöst.“
„Das hat mir geholfen.“
„So sehe ich das.“
„Auf mich wirkst Du so.“
Nicht als Ersatz für das Wissen Deines Teams und die Inhouse-Expertise, sondern als Ergänzung um Perspektiven, die innerhalb des eigenen Systems möglicherweise nicht entstehen.
Die Qualität einer Entscheidung steigt nicht, wenn alle im Meetingraum dasselbe denken oder immer wieder die vertrauten Argumente diskutieren. Sie steigt, wenn unterschiedliche, relevante Sichtweisen zusammenkommen.
Welche Perspektive fehlt Dir gerade für eine wirklich wichtige Entscheidung?